Richard Nixon und Willy Brandt müssen gehen, Gerald R. Ford und Helmut Schmidt kommen. Die Weltwirtschaft leidet unter der ersten Ölkrise. Im ZDF erlebt die Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ seine Premiere. Auf der Nürnberger Spielemesse wird das neue Produkt „Playmobil“ vorgestellt. Muhammed Ali erlangt beim „Rumble in the Jungle“ in Zaire mit einem K.o.-Sieg gegen George Foreman den Weltmeistertitel. In Deutschland findet erstmalig eine Fußball-Weltmeisterschaft statt.
In diesem Jahr, 1974, genau genommen um 16 Uhr am 7. Juli, konzentrieren sich in Deutschland alle Blicke auf das Olympiastadion in München. Hier hat soeben der englische Schiedsrichter Jack Taylor vor 75.200 Zuschauern das Endspiel um den Weltmeistertitel zwischen dem Gastgeber Deutschland und den Niederlanden angepfiffen.
Auf die nun beginnenden 90 Minuten freut sich seit Tagen ein ganzes Land. Deutschland ist wieder auf die internationale Sportbühne zurückgekehrt. Vier Jahre zuvor wurden in der bayerischen Hauptstadt bereits die Olympischen Winterspiele ausgerichtet. Beinahe zwei Millionen Zuschauer in den Stadien bedanken sich bei diesem dreiwöchigen Turnier für das internationale Vertrauen.
Die Niederländer haben Anstoß. Über 17 Stationen spielen sich die „Oranje“ den Ball zu. Dann startet Superstar Johan Cruyff ein Solo, Uli Hoeneß mit dem Foul an der Strafraumgrenze, Spielmacher Johan Neeskens verwandelt den Strafstoß. Das deutsche Team, noch ohne Ballberührung, liegt bereits nach 2 gespielten Minuten zurück. Die „Voetbal Totaal“-Generation hat zugeschlagen.
Primär zwei Namen prägen diese weltweit einmalige Spielweise der Niederländer: Rinus Michels und Johan Cruyff. Der niederländische Coach Michels bildete das Gegenstück zum deutschen Trainer Helmut Schön, der einen vergleichsweise lockeren Umgang mit seinen Profis pflegt. Er etabliert die dynamische Spielweise des 4-3-3 Systems und verlangt dabei höchste Disziplin. Cruyff, die zentrale Figur in Michels’ System, wird später von vielen Fußballexperten an dritter Stelle der weltbesten Fußballer direkt hinter Maradona und Pelé genannt werden.
Nach 20 Minuten finden die Deutschen besser ins Spiel. Stürmer Hölzenbein fällt im Strafraum. Referee Taylor trifft erneut eine strittige Entscheidung und Paul Breitner gleicht in der 25 Minute sicher vom Punkt aus. Nun bestimmt der Gastgeber, angeführt vom Kapitän Beckenbauer, die Begegnung. Bonhof passt den Ball zu Müller. Dieser kann sich gegen zwei Bewacher durchsetzen, befördert aus der Drehung den Ball aufs Tor, Towart Jongbloed wird auf dem falschen Fuß erwischt. Kurz vor der Pause führt die deutsche Nationalmannschaft mit 2:1.
45 Minuten trennen die Spieler noch vom WM-Titel. Manndecker Berti Vogts knüpft an seiner bisherigen überragenden Leistung an, indem er Cruyff auch in der zweiten Halbzeit fast vollständig aus dem Spiel nimmt. Auch der deutsche Torhüter, Sepp Maier, spielt überragend. Mit Weltklasse- Paraden bringt er die niederländische Elf in der zweiten Halbzeit zum Verzweifeln. Allerdings lässt auch die deutsche Offensive mehrere Gelegenheiten ungenutzt. Erst der Schlusspfiff Taylors bringt die Erlösung. Kaiser Franz stemmt ein wenig später den WM-Pokal in die Luft, der Höhepunkt des erstens Sommermärchens ist erreicht. Deutschland gewinnt zum zweiten Mal nach 1954 die Fußball-Weltmeisterschaft.
Wieder bist Du gefragt. Die „Goldene Elf“ hast Du bereits geschlagen? Dann stelle Dich der nächsten Herausforderung im Duell gegen die Jahrhundertelf der Niederländer. Werde Teil der Geschichte!








